Frei nach dem Buchtitel von Richard David Brecht habe ich mir diese Frage schon oft im Leben gestellt. Vor allem in meiner Jugendzeit habe ich viele Verwirrungen in meiner Art zu Sein gespürt.

Vor kurzer Zeit habe ich eine Reise für mich selbst in die Vergangenheit gemacht und in meiner Vergangenheit “geschnüffelt”. Vor allem ein erneutes Lesen meiner gesamten Tagebücher aus der Jugendzeit bis ins junge Erwachsenenalter haben mich sehr bewegt. Es war eine Achterbahnfahrt der Gefühle zwischen Scham, Erstaunen, Erschrecken, Stolz und Verwunderung – es war alles dabei. Ich habe mich oft gefragt, was ich heute noch mit diesem Wesen zu tun habe, welches mir jetzt so fremd vorkommt. Eine jedoch immer wieder kehrende Konstante war die Frage: “Wer bin ich denn?”. Und diese ist meiner Meinung nach nicht wirklich zu beantworten. Ich bin vieles und verändere mich im Zuge meines Lebens, meines Umgebungskontextes und einer aktuellen Rolle im Leben. Trotzdem haften an mir selbst Eigenschaften, die ich mir selbst zuschreibe und die mal mehr und auch mal weniger ausgeprägt sind.

Im Hier und Jetzt bin ich mit meinem Leben sehr zufrieden und ein wichtiger Meilenstein auf diesem Weg war es mich selbst so zu akzeptieren wie ich gerade nun einmal bin. Mit den Sonnen- und den Schattenseiten der eigenen Persönlichkeit, die es bei jedem von uns nun einmal gibt. Doch wer im Leben viel nach sich gesucht und viel ausprobiert hat, läuft Gefahr sich zu verzetteln und sozusagen “den Wald vor lauter Bäumen” nicht mehr zu sehen. Hier gibt es Hilfestellungen sich selbst besser kennen zulernen. Eine Möglichkeit sind Persönlichkeitstests.

Ich bin kein Freund von Zuschreibungen, allerdings kann ein solcher Test helfen ein Gefühl dafür zu entwickeln, ob ich mich mit den einzelnen Zuschreibungen eher identifiziere oder diese ablehne. Wenn ich diese ablehne, darf ich allerdings kritisch hinterfragen, ob ich diese ablehne, weil die Zuschreibung nicht auf mich zutrifft oder weil sie mir nicht gefällt (d.h. nicht meinem Selbstbild entspricht). Solche Tests können mir nur helfen, etwas über mich zu erfahren, wenn ich versuche so ehrlich wie möglich zu mir zu sein. Und das kann auch mal unangenehm werden.

Ich habe hier ein paar freie Tests aus dem Internet zusammengestellt, ohne Ihre Qualität bewerten zu wollen. Ich habe diese alle selbst gemacht und halte sie für geeignet, um eine Vorlage zu liefern, mit der sich jeder selbst auseinander setzen kann. Allerdings nicht, um Fakten über die eigenen Persönlichkeit zu liefern. In den kommenden Abschnitten erläuterte ich kurz und knackig die Basis auf der die jeweiligen Tests aufgebaut sind und dann die zugehörigen Links dazu:

The Big Five

Das Modell der “Big Five” basiert auf einem lang entwickelten Persönlichkeitsmodell, welches von der Typenlehre von C.G. Jung angeregt wurde und ab den 1930er Jahren stetig weiterentwickelt wurde. Aufgrund dieses Modells lassen sich die Hauptmerkmale der Persönlichkeit in 5 Dimensionen einteilen, die bei diesem Test bewertet werden: Neurotizismus (Erleben und Reaktion auf negative Gedanken, Ängste, Sorgen), Extraversion (Intro-/Extrovertiertheit), Offenheit für Erfahrungen, Verträglichkeit (Rücksichtnahme auf andere und interpersonelles Verhalten) und Gewissenhaftigkeit (Selbstkontrolle, Genauigkeit, Zielstrebigkeit). Wer mehr darüber erfahren möchte, findet hier eine grobe Beschreibung in Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Big_Five_(Psychologie) oder kann danach googeln.

Hier geht es zu den beiden Tests:
Das Psychologie Portal – Big-Five Persönlichkeitstest
U.C. Berkely psychologist Oliver D. John – Big-Five-Persönlichkeitstest

Die Transaktionsanalyse

Diese ist keine reine Methode ein Persönlichkeitsprofil zu erstellen, vielmehr liefert sie Rückmeldungen über Verhaltens- und vor allem Kommunikationsweisen. Die Transaktionsanalyse (TA) entstammt aus der Tiefen- und humanistischen Psychologie und bietet Modelle zum Beobachten, Beschreiben und Verstehen der menschlichen Persönlichkeit und deren zwischenmenschlichen Interaktionen. Genau aus diesen Interaktionen lassen sich jedoch Rückschlüsse ziehen, die auf bestimmte Persönlichkeitsmerkmale deuten. Das ganze Konzept der Transaktionsanalyse ist zu komplex, so dass ich hier nur für diesen Beitrag relevante Fragmente herausziehe.

Die inneren Antreiber

(Korrektur dieser Ausführung am 21.08.2016:) Die sogenannten Antreiber sind Verhaltensweisen, deren funktionaler Sinn darin besteht, selbst in eine OK-Haltung zu kommen. Die Ausgangsbasis ist eine unbewusste “Ich bin nicht OK, die anderen sind OK” Haltung. Und um selbst als OK angenommen zu werden, verhalte ich mich entsprechend. Das Antreiberverhalten resultiert also aus der Frage “Wie soll ich mich verhalten, damit ich OK werde?”.

Antreiber basieren auf Entscheidungen aus früher kindlicher Logik, die der Betroffene selbst gefunden hat und wird nicht direkt von den Eltern oder Bezugspersonen gelehrt. Antreiber haben die Funktion aus der Überlebensstrategie des Kindes und sind als ein ernsthafter Versuch wertzuschätzen, sich OK zu fühlen und OK zu sein. Wobei nicht behauptet wird, dass dieses Verhalten faktisch zum Erfolg führt.

Innerhalb der Transkationsanalyse gelten verschiedene Interpretationen von verschiedenen Autoren, welche sich teilweise ergänzen und teilweise widersprechen.

  • Sei perfekt! – Dieser Treiber ist in unserer Gesellschaft stark verbreitet und zielt auf Leistungsbereitschaft, Perfektion, Fehlerintolerenz, Genauigkeit im Verhalten
  • Mach es allen recht (sei gefällig)! – Bei diesem Treiber werden Altruismus, Hilfbereitschaft, Opferbereitschaft, Anpassung belohnt.
  • Streng Dich an! – Bei diesem Treiber geht es darum, sich anzustrengen und abzustrampeln, es geht um Fleiß und Disziplin.
  • Sei stark! – Bei diesem Treiber lautet Devise “zeige bloß keine Schwächen oder Gefühle” und “ich schaffe alles alleine und ohne Hilfe”
  • Beeil Dich! – Dieser Treiber spornt dazu an, schnell zu sein, die Zeit zu nutzen, bloß nicht trödeln.

Alleine beim Lesen dieser Punkte keimt der Verdacht, dass es bei diesen Treibern in alltäglichen Situationen oder auch im Beruf zu Reibungen kommen kann, je nach Ausprägung. Diese Tests beschäftigen sich mit den inneren Antreibern:

Blauburg-Consulting – Test innnere Antreiber (als pdf zur Selbstauswertung)

Update 29.06.2014EMOTION.Business-Test – Dieser Test vereint mehrere Methode miteinander, wobei hier die Fragen zur TA berücksichtigt werden. Der Test zeigt (Zitat von Seite emotion.de): “…wie ausgeprägt Ihre Persönlichkeitsmerkmale im Vergleich zu anderen sind, welche Stärken Sie haben, wo Sie sich noch weiterentwickeln können, was Ihnen dabei im Weg stehen könnte und wie es um Ihr Führungspotenzial bestellt ist.”

Ein anderer Test von Lars Lorber liefert auf dessen Homepage einen wirklichen “Schnelltest”, angelehnt u.a. an den Myers-Briggs-Typindikator (MBTI): Typentest – Persönlichkeit einfach erklärt

Ein weiteres Instrument ist für mich das sogenannte Rave Chart aus dem Human Design System. Ich habe diese Methode erst abgelehnt, da sich das Chart ausschließlich aus dem Geburtsdatum mit Uhrzeit und dem Geburtsort errechnet und es sich für mich erst wie ein Horoskop darstellte. Doch nachdem ich ein sogenanntes Reading (Interpetation meines Rave-Charts) erhalten habe, konnte ich so viel von mir finden, so dass ich mittlerweile dieser Methode sehr zugewandt bin. Bei dieser Methode wird ein Design der Persönlichkeit erstellt, wie ich sozusagen als Mensch gemeint bin. Aus diesem Design lassen sich in meinem Verständnis eine Lebenshaltung, Persönlichkeitszüge, Preferenzen und Strategien herauslesen, welche für mich günstig sind. Diese sind aber keinesfalls auf konkrete Punkte zugeschnitten. Für mich haben sich daraus sehr gute Erklärungen ableiten lassen, was ich brauche, um mich wohl zu fühlen und meine Batterien aufladen zu können. Auf was ich bei Entscheidungen für mich achten kann, welchen Einfluss andere Personen auf mich auswirken können, wo ich bestimmte Stärken und auch bestimmte Schwächen erkennen kann. Wer mehr Informationen darüber möchte findet diese hier bei Jovian Archive oder auf der deutschen Seite des human design.

Auch eine Möglichkeit sich selbst besser kennen zulernen ist ein Abgleich zwischen Selbst- und Fremdbild. Sie könnten einen guten Freund und Vertrauten befragen wie er Ihre Stärken und Schwächen einschätzt, was er gut an Ihnen findet, welche Attribute er Ihnen zuschreiben würde. Was er gerne mit Ihnen macht, was nicht und vor allem warum er dies so entscheidet.

Es gibt sehr viele solcher Tests und Möglichkeiten die Fragestellung nach der eigenen Persönlichkeitsstruktur zu begegnen und mein Beitrag liefert dazu nur einen kleinen Auszug, der an meine Interessen, Kenntnisse und Erfahrungen angelehnt ist. Und für Sie zum persönlichen Einsatz gemeint ist. Im Business Bereich zum Beispiel sieht dies meist ganz anders aus. Dort werden unter anderem das Reiss Profil, der Myers-Briggs-Typindikator (MBTI) oder auch das Lab Profile verwendet.

Egal welchen Test oder welche Methode Sie wählen, er sagt in meinen Augen nichts darüber aus, wer Sie wirklich sind. Denn Sie sind viele! Ihre Persönlichkeit hat doch mehr als eine Seite, oder? Aber ein Test kann Ihnen Denkanstöße liefern, wie Sie ein Bild von sich erstellen können und es modellieren. Und dabei wünsche ich Ihnen viel Spaß!